nikolaikirche Leipzig

Zeittafel 1989



02.März 1989
Bei der Bezirksverwaltung des MfS kommt es bei einer Lagebesprechung zu dem Ergebnis, dass Leipzig immer mehr zum Zentrum oppositioneller Gruppen wird
03.März1989
Ungarns Ministerpräsident Miklós Németh fordert bei seinem Antrittsbesuch in Moskau den Abzug der sowjetischen Truppen, insbesondere der Atomwaffen. KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow verspricht Nichteinmischung
8. März 1989
Der 32-jährige Winfried Freudenberg stürzt bei seinem Fluchtversuch mit einem selbstgebastelten Heißluftballon über West-Berlin ab und kommt dabei ums Leben. Er ist der letzte Tote an der deutsch-deutschen Grenze.
13. März 1989
Auch während der Frühjahrsmesse in Leipzig wird nach dem montäglichen Friedensgebet in der Nikolaikirche demonstriert. Unter den Hunderten Teilnehmern sind zahlreiche Ausreisewillige. Sie rufen "Wir wollen raus!".
3. April 1989
Generaloberst Fritz Streletz informiert die DDR-Militärführung, dass Honecker informell den Schießbefehl aufgehoben habe. Die Anordnung wird in den Grenztruppen mündlich verbreitet, dringt aber nicht nach außen
5. April 1989
In Polen einigen sich Regierung und Opposition auf Reformen. Die Gewerkschaft Solidarność und die Bauern-Solidarność werden wieder zugelassen.
08.April
Zwei Männer springen am 8. April 1989 über den Schlagbaum am Grenzübergang in der Berliner Chausseestraße. Die beiden Freunde Michael Bachmann und Bert Greiser sprinten durch die Grenzanlage. Nach 18 Sekunden sind sie noch 10 Meter von der Freiheit entfernt. Ein Offizier der Staatssicherheit , schießt und verfehlt Bachmann knapp. Die beiden ergeben sich. Bachmann und Greiser werden abgeführt und in einer Jugendvollzugsanstalt in Halle eingesperrt. Drei Tage nach dem Fall der Mauer werden sie frei gelassen.


Quelle Fotos:
Klostermeier/AP/DDP IMAGES, AP, (links)
AP/DDP IMAGES, AP (mitte und rechts)

18.April
Das Sekretariat der SED-Stadtleitung Leipzig berät über Einsätze der Kampfgruppen gegen oppositionelle Demonstranten. Umweltschützer aus Leipzig und Borna veröffentlichen geheime Pläne der DDR-Regierung für den Bau eines Atomkraftwerkes in der Nähe von Leipzig.
22. April
Massendemonstration in China: Studenten fordern in Peking die Freiheit, die Staats- und Parteiführung zu kritisieren, und das Recht, unabhängige Interessenvertretungen zu bilden
Im April
gelingt 5887 Bürgern die Flucht in den Westen; 4996 Menschen dürfen die DDR mit Genehmigung verlassen.
Am 02.Mai 1989
begann Ungarn die technische Grenzsperre - den Eisernen Vorhang - abzubauen.
Am 7. Mai 1989
fanden in der DDR Kommunalwahlen statt. Offiziell stimmten 98,85 % der Wähler für die Kandidaten der Nationalen Front. Die Wahlbeteiligung wurde von Amts wegen mit 98,77 % beziffert. Um dieses Ereignis herum fanden aber auch andere Aktionen statt: unter anderen riefen in den Großstädten Berlin und Leipzig vorab Oppositionsgruppen zur Wahlverweigerung auf und beobachteten die Stimmenauszählung in hunderten Wahllokalen. Sie konnten die Fälschung einzelner lokaler Ergebnisse nachweisen, weil sie dort mehr Nichtwähler zusammenbrachten als im amtlichen Ergebnis ausgewiesen waren. Die Abweichung lag teilweise bei 10 Prozent.
16. Mai 1989
Planungschef Gerhard Schürer skizziert vor Wirtschaftskadern im SED-Politbüro ein Pleite-Szenario: Bei anhaltender monatlicher Westverschuldung in Höhe von 500 Mio. DM drohe der DDR 1991 der finanzielle Ruin.

Am 3. und 4. Juni 1989
schlug das chinesische Militär im Zentrum Pekings gewaltsam die Proteste der Bevölkerung nieder. Auf dem Platz selbst starben dabei keine Menschen, in anderen Teilen der Stadt starben nach Angaben von Amnesty International zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Menschen. Presseberichte, die sich auf Quellen im chinesischen Roten Kreuz beriefen, nannten 2600 Tote auf Seiten der Aufständischen und des Militärs und rund 7000 Verletzte im Laufe der Woche in ganz Peking.

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